contre http://contre.blogsport.de critique entre les chaises Fri, 17 Feb 2006 07:53:56 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Schnittmengen http://contre.blogsport.de/2006/02/17/schnittmengen/ http://contre.blogsport.de/2006/02/17/schnittmengen/#comments Fri, 17 Feb 2006 07:53:56 +0000 Administrator Allgemeines http://contre.blogsport.de/2006/02/17/schnittmengen/ Aus einem Interview des ND mit Oskar Lafontaine:

„ND: Sind islamistische Strömungen eine Bedrohung für die Aufklärung?

Lafontaine: Die Aufklärung ist vielfach bedroht. Aber die Linke hat eine besondere Aufgabe, den Dialog mit dem Islam zu suchen – gerade weil sie sich der Aufklärung verpflichtet fühlt. Die Aufklärung will die Gesellschaft der Freien und Gleichen, sie setzt Toleranz voraus. Es gibt Schnittmengen zwischen linker Politik und islamischer Religion: Der Islam setzt auf die Gemeinschaft, damit steht er im Widerspruch zum übersteigerten Individualismus, dessen Konzeption im Westen zu scheitern droht. Der zweite Berührungspunkt ist, dass der gläubige Muslim verpflichtet ist zu teilen. Die Linke will ebenso, dass der Stärkere dem Schwächeren hilft. Zum Dritten: Im Islam spielt das Zinsverbot noch eine Rolle, wie früher auch im Christentum. In einer Zeit, in der ganze Volkswirtschaften in die Krise stürzen, weil die Renditevorstellungen völlig absurd geworden sind, gibt es Grund für einen von der Linken zu führenden Dialog mit der islamisch geprägten Welt.“

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Islam is lame http://contre.blogsport.de/2006/01/25/islam-is-lame/ http://contre.blogsport.de/2006/01/25/islam-is-lame/#comments Wed, 25 Jan 2006 08:49:30 +0000 Administrator Kritik http://contre.blogsport.de/2006/01/25/islam-is-lame/ Nicht mehr ganz neu: ein Pamphlet titels „Islam is lame“, das auch auf der Bahamas-Website zu haben ist. Ausgedruckt ergäbe das 36 Seiten. Inhaltlich geht es um: „[a] Das Kopftuchverbot für Schülerinnen [b] als feministische und antirassistische Konsequenz [c] einer Kritik des konservativen Alltagsislam [d] gegen Kulturrelativisten, Traditionslinke und antideutsche Softies verteidigt“, das alles verfasst von einer „Hedonistischen Mitte“, die sich nich ohne Grund ein Zitat Ayaan Hirsi Alis als „Leitmotiv“ vorangestellt hat: „Es ist egoistisch, nicht rassistisch sein zu wollen.“

Der Text ist nicht unwesentlich orientiert am psychonalytischen Versuch Natascha Wiltings (Bahamas 38, recycled in der Broschüre „Wo Multikultis das Land regieren“), der die „Psychopathologie des Islam“ (!) populationsbiologisch auf das fehlende Über-Ich („Fehlen internalisierter Kontrollinstanzen“ heißt das in einer Fußnote der „hedonistischen Mitte“) von gut 600 Millionen Muselmanenmännern zurückführt, das ihnen verlustig ging, nachdem sie acht Jahre lang von ihrer Mutter gesäugt worden seien.

Was also tun? Histomat-kundig wird dekretiert:

„Daher gibt es nur einen realistischen Ausweg aus dem Elend: Säkularisierung und Demokratisierung der Gesellschaft und Reformierung des Islam.“

Und das soll folgendermaßen funktionieren:

„Das wichtigste Kennzeichen des konservativ-orthodoxen Islam besteht darin, Religion nicht als individuelle Privatschrulle von Bürgern anzuerkennen, was die Freiheit von Individuen, eine Religion zu wählen oder areligiös zu sein, ein Glaubensbekenntnis jeder Zeit wiederrufen zu dürfen, bedeutet. In der BRD wird Kindern dieses Recht mit Vollendung des 14. Lebensjahres eingeräumt (RKEG, §5 […]). Ein liberaler, moderater Islam würde sich nun zu aller erst dadurch auszeichnen, sich diesem Recht zu verpflichten.“

Die „hedonistische Mitte“ stößt sich also daran, dass der Islam nicht dem deutschen Recht unterworfen sei, andersrum der deutsche Staat nicht gegen „islamische Communities“ tätig – falls nötig kraft seines Gewaltmonopols: tätlich – werde.

Im zweiten Teil des Textes wird die Forderung nach einem Verbot von Kopftüchern in Schulen expliziert, durchzusetzen durch „eine breite zivilgesellschaftliche Kampagne“. Ihr Programm:

„Die Kampagne fordert von bürgerlichem Staat und Öffentlichkeit nichts anderes als die Verwirklichung der politischen Emanzipation.“

Es geht um „[a] die Befreiung des bürgerlichen Staates von feudalen und religiösen Fesseln und [b] Emanzipation der Untertanen zu Bürgern“ – und zwar genau in der Reihenfolg. Dann – und auch nur dann – behält die „hedonistische Mitte“ Recht, wenn sie sagt, dass es keinen Widerspruch in der Sache darstelle, „wenn der Staat hier als Akteur dieser (also seiner eigenen) und jener Emanzipation auftritt“. Plötzlich geht es also nicht mehr um die Befreiung der Frau aus einer repressiven Religion, sondern das Wohl des eigenen Staates (man erinnere sich an das erwähnte Zitat von Ayaan Hirsi Ali), in dem jedeR Konkurrenzsubjekt zu sein hat – oder dazu gemacht werden muss. Eine Unternehmung, für die sogar noch eine „revolutionäre“ Rechtfertigung gefunden wird:

„Und „die freie Entwicklung eines jeden“, sagen Marx/ Engels, ist ‚die Bedingung für die freie Entwicklung aller.‘“

Es geht also um nicht viel weniger als eine nachholende bürgerliche Revolution für den Islam, eine „Revolution von oben“. Das bietet sich in diesem Falle an: wenn sich der Islam wirklich, wie so oft behauptet, die „deutsche Ideologie“ importiert und einen „Sonderweg“ („offensichtlich perverses Weltbild[es]“) eingeschlagen habe, dann nützen zur Beseitigung seiner Borniertheit freilich nur die Mittel, die man hier aus eigener Erfahrung schätzen und lieben gelernt hat.

Nur ein Problem beklagt man:

„Die herrschende Politik und die bürgerliche Öffentlichkeit der BRD sind hegemonial augenblicklich noch multikulturalistisch und kulturrelativistisch verfasst.“

- Es fehlt die „starke Hand“.

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Sternstunden http://contre.blogsport.de/2005/12/27/sternstunden/ http://contre.blogsport.de/2005/12/27/sternstunden/#comments Tue, 27 Dec 2005 10:32:28 +0000 Administrator Allgemeines http://contre.blogsport.de/2005/12/27/sternstunden/ Während die Bahamas-Redaktion wohl noch mit dem Schneiden der Audioaufzeichnungen ihrer „Antideutschen Konferenz“ beschäftigt ist, um wenigstens das offensichtlich Verkehrte, Peinliche und/oder Strafbewährte zu tilgen, steht Gerhard Scheits Beitrag unter dem Titel „Das sogenannte Böse und der Jargon der Demokratie“ online, in dem er bspw. den US-amerikanischen Evangelen „Vernunft inmitten religiöser Unvernunft“ bei der Bekämpfung der „Mächte des Bösen“ bescheinigt. Dem Autor des „Leviathan“, an dem Scheit klebt, unterstellt er unterdessen nicht nur fälschlicherweise demokratische, ja liberale Bestrebungen, sondern auch frühsozialistische Einsichten:

„Thomas Hobbes hatte bekanntlich bereits für diese, in der Welt von Staat und Kapital unaufhebbare Irrationalität nach würdigen Metaphern gesucht und sie in den beiden biblischen Ungeheuern Leviathan und Behemoth auch gefunden. […] Hobbes kann nicht genug der paradoxesten Formulierungen prägen, um diese Unvernunft des Staats bei all seiner möglichen immanenten Vernünftigkeit zum Ausdruck zu bringen, so wie Marx zwei Jahrhunderte später vom »automatischen Subjekt« und vom »sich selbst verwertenden Wert« sprechen muß, um den realen Irrsinn des Kapitalverhältnisses bei all seiner inhärenten Logik zu fassen.“

Diese und weitere Fehler, „paradoxeste Formulierungen“, „würdige Metaphern“, „unaufhebbare Irrationalität“ und „realer Irrsinn“ hier.

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Für dich, Deutschland, immernoch „Sie“… http://contre.blogsport.de/2005/11/30/fur-dich-deutschland-immernoch-sie/ http://contre.blogsport.de/2005/11/30/fur-dich-deutschland-immernoch-sie/#comments Wed, 30 Nov 2005 13:17:07 +0000 Administrator Allgemeines http://contre.blogsport.de/2005/11/30/fur-dich-deutschland-immernoch-sie/ …steht auf dem Cover der aktuellen Ausgabe der überregional unbedeutenden Leipziger (neuerdings auch Dresdner) Szenezeitschrift „Incipito“ (die haben den Spruch natürlich geklaut). Im Hintergrund drei Kampfflugzeuge in der Luft, am unteren Bildrand die Kuppel der Frauenkirche. Mit der Kritik am Nationalismus ist es bei den meisten aber nicht weit her.

Mehr als das Herausstellen der unfreiwilligen Komik der Kampagnenclaims ist fast* nirgends drin. Wenn im Kampagnen-“Manifest“ geschrieben steht: „Reiße Bäume aus […] du bist der Baum“, dann stößt genau dieser wörtliche Widersinn auf – vor allem denjenigen Linken, die sich nicht selbst „entwurzeln“ wollen, weil sie selber nationalistische DeppInnen sind. Das Kampagnenlogo kommt dem linken Bekenntnis, dass Deutschland Scheiße sei, entgegen – denn auch wer keine Kritik an der Nation hat, kennt alle Slime-Schlager auswändig. Das dutzendfach auf (u.a.) Indymedia gepostete Bild von 1935, das belegt, dass das Kampagnenmotto so neu nicht ist, wird von eben denen überall angeführt, deren Instrument der Kritik ihre Antifabrille ist, durch die sie alles danach bewerten, ob es mit dem Nationalsozialismus assoziierbar ist. Und als dieses Bild noch nicht bekannt war, hat man es sich selber gebastelt: in der aktuellen „tendenz“ z.B., der Zeitung der „JungdemokratInnen/Junge Linke“ (nicht zu verwechseln mit dem ungleich durchblickenderen Spaltprodukt „Junge Linke“) wurde ein entsprechender Artikel mit einem Bild eines Konzentrationslagers und der Frage illustriert, ob man wirklich stolz auf Deutschland sein möchte.

Und in der Incipito? Da kritisiert man die Werbetexter als Urheber von „völlig sinnfreier Pseudo-Poesie“. Das Cover entschädigt – aber es ist unwahrscheinlich, dass die dargestellten Tornados der deutschen Luftwaffe ihre Bombenlast über Dresden abladen würden. Unfreiwillige Komik – da schließt sich der Kreis.

*Nachtrag, weil ich drum gebeten wurde:
http://contradictio.de/du-bist-deutschland.html

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Nachschlag zur BAHAMAS-Konferenz http://contre.blogsport.de/2005/11/30/nachschlag-zur-bahamas-konferenz/ http://contre.blogsport.de/2005/11/30/nachschlag-zur-bahamas-konferenz/#comments Wed, 30 Nov 2005 08:32:40 +0000 Administrator Allgemeines http://contre.blogsport.de/2005/11/30/nachschlag-zur-bahamas-konferenz/ „Gegen die antisemitische Internationale“, das war der Titel des Bahamas-Kongresses im Juni 2003. „Antideutsch-kommunistische Konferenz“ nannte sie sich damals noch. Gut zwei Jahre später flog der Anspruch kommunistischer Kritik raus: in der „antideutschen Konferenz 2005″ ging es um „Kritik und Parteilichkeit“ – eine Kritik, die als Nachdichtung des seit mindestens 2003 Bekannten nur um der Begründung dieser Parteilichkeit wegen betrieben wurde, sowie, wie dem Aufruf zu entnehmen war, zwecks Abgrenzung gegenüber dem liberalen Brackwasser, in dem haufenweise antideutsche Schäfchen abtauchen. Letzteres flog dann doch noch von der Agenda. Eine Abgrenzung sei überhaupt nicht nötig, so Sören Pünjer, der sein Publikum nicht vergraulen wollte.

Im Jahre 2003 war es noch das Lob der Aufklärung (um deren Dialektik man, trotz angeblicher Adornofestigkeit, nicht weiß) und insbesondere der USA, das antideutsche Gemüter bewegte: „Die Macht der USA, soviel ist gewiß, verbürgt derzeit die Aufrechterhaltung eines Restmaßes an instrumenteller Vernunft und damit auch die schiere Überlebensmöglichkeit der kommunistischen Kritik.“ Schon für diese Feststellung musste man von allen kommunistischen Gespenstern verlassen worden sein, im Bestreben einer kommunistischen Kritik sich auf einen antikommunistischen Klotz und in Aussicht einer zumindest rudimentären Praxis auf die Parteinahme in der Staatenkonkurrenz zu setzen.

Aus dem lächerlichen Versuch der Instrumentalisierung westlicher Gesellschaft für die eigene Emanzipation – was absurderweise schon wieder an Lenin erinnert (man müsse die imperialistischen Großmächte gegeneinander ausspielen) – wird nunmehr die Mobilisierung herrschaftlicher Gewalt: „liberal organisierte bürgerliche Herrschaft, wie man in den USA und Großbritannien vorfindet, [ist] aktuell das einzig wirkungsmächtige Potential gegen den Faschismus“ (also den Islam). Selbst diese offene Affirmation können die Bahamiten noch als kommunistisches Gut verhökern, denn „im Insistieren auf der Kategorie des individuellen Interesses […] konvergieren Liberalismus und ein recht verstandener Kommunismus.“ Da sind auf antideutscher Seite mutmaßlich seltsame Interessen und Zwecke unterwegs!

Um kritische Solidarität und Waffenbrüderschaft mit dem Liberalismus bemüht kommt man auf den Punk: „Darin unterscheidet sich antideutsche Kritik in kommunistischer Absicht von marxologischen oder adornierenden Unternehmungen“ – denn merke: die marxologische Unternehmung der Bahamas, die „deutsche Ideologie“ in alle Welt hinauszuprojizieren, funktioniert ebenso wenig wie die psychoanalytischen und massenpsychologischen Versuche zum Islam (Vgl. „Wo Multikultis das Land regieren“). Wenn dann hinten nur gewöhnlicher Rassismus rauskommt („Man würde sich wünschen, dass sie sich einfach gegenseitig umbringen“), ist es der wirklich einzige noch verbleibende, äußerst lobenswerte, durchaus fortschrittliche Dienst der Bahamas, Marx und Adorno vor sich selbst in Schutz zu nehmen.

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