Schnittmengen

Aus einem Interview des ND mit Oskar Lafontaine:

„ND: Sind islamistische Strömungen eine Bedrohung für die Aufklärung?

Lafontaine: Die Aufklärung ist vielfach bedroht. Aber die Linke hat eine besondere Aufgabe, den Dialog mit dem Islam zu suchen – gerade weil sie sich der Aufklärung verpflichtet fühlt. Die Aufklärung will die Gesellschaft der Freien und Gleichen, sie setzt Toleranz voraus. Es gibt Schnittmengen zwischen linker Politik und islamischer Religion: Der Islam setzt auf die Gemeinschaft, damit steht er im Widerspruch zum übersteigerten Individualismus, dessen Konzeption im Westen zu scheitern droht. Der zweite Berührungspunkt ist, dass der gläubige Muslim verpflichtet ist zu teilen. Die Linke will ebenso, dass der Stärkere dem Schwächeren hilft. Zum Dritten: Im Islam spielt das Zinsverbot noch eine Rolle, wie früher auch im Christentum. In einer Zeit, in der ganze Volkswirtschaften in die Krise stürzen, weil die Renditevorstellungen völlig absurd geworden sind, gibt es Grund für einen von der Linken zu führenden Dialog mit der islamisch geprägten Welt.“


1 Antwort auf „Schnittmengen“


  1. Gravatar Icon 1 tazInfarkt 24. Februar 2007 um 20:56 Uhr

    Yo, leider hat Oskar nicht den ganzen Text gelesen. Nach dem Koran ist das Erheben und Annehmen von Zinsen streng verboten (Riba Bezug — II: 275, 278-279). Ausdrücklich unterstützt wird bei Finanzierungsgeschäften das Teilen des Risikos/Gewinns (PLS – Profit and Loss Sharing) zwischen Kapitalgeber und –nehmer. Für Oskar dann mal die Übersetzung, damit ihm der Müntefering dämmert: Es geht um „Debt vs. Private Equity Financing“. Die drei Staaten, die ein vollständiges „Islamic Finance“ System errichtet haben – Pakistan, Iran, Sudan –leuchten dann auch wie die Verheißung am Horizont dieses Mannes.
    Problematisch für ihn und das ND werden dann allerdings die Koranstellen vor dem Riba-Verbot (II:195): Nicht dass nur eine extreme Arbeitsethik gefordert wird, nein, Reichtum und privates Vermögen (Eigentum) werden als gottgefällig beschrieben….
    Eine interessante Frage: Wie führen die Zentralbanken die Geldpolitik (ohne Zinshebel) durch? Nachzulesen z.B. bei der Central Bank of Iran oder beim IWF.
    Ach ja, da auf Spareinlagen keine Zinsen gezahlt werden dürfen, gibt es im Iran die „qard-al-hasaneh“ Konten. Da kann man dann bei Verlosungen Kuscheltiere, Goldmünzen, Autos oder Bücher gewinnen.

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