Islam is lame

Nicht mehr ganz neu: ein Pamphlet titels „Islam is lame“, das auch auf der Bahamas-Website zu haben ist. Ausgedruckt ergäbe das 36 Seiten. Inhaltlich geht es um: „[a] Das Kopftuchverbot für Schülerinnen [b] als feministische und antirassistische Konsequenz [c] einer Kritik des konservativen Alltagsislam [d] gegen Kulturrelativisten, Traditionslinke und antideutsche Softies verteidigt“, das alles verfasst von einer „Hedonistischen Mitte“, die sich nich ohne Grund ein Zitat Ayaan Hirsi Alis als „Leitmotiv“ vorangestellt hat: „Es ist egoistisch, nicht rassistisch sein zu wollen.“

Der Text ist nicht unwesentlich orientiert am psychonalytischen Versuch Natascha Wiltings (Bahamas 38, recycled in der Broschüre „Wo Multikultis das Land regieren“), der die „Psychopathologie des Islam“ (!) populationsbiologisch auf das fehlende Über-Ich („Fehlen internalisierter Kontrollinstanzen“ heißt das in einer Fußnote der „hedonistischen Mitte“) von gut 600 Millionen Muselmanenmännern zurückführt, das ihnen verlustig ging, nachdem sie acht Jahre lang von ihrer Mutter gesäugt worden seien.

Was also tun? Histomat-kundig wird dekretiert:

„Daher gibt es nur einen realistischen Ausweg aus dem Elend: Säkularisierung und Demokratisierung der Gesellschaft und Reformierung des Islam.“

Und das soll folgendermaßen funktionieren:

„Das wichtigste Kennzeichen des konservativ-orthodoxen Islam besteht darin, Religion nicht als individuelle Privatschrulle von Bürgern anzuerkennen, was die Freiheit von Individuen, eine Religion zu wählen oder areligiös zu sein, ein Glaubensbekenntnis jeder Zeit wiederrufen zu dürfen, bedeutet. In der BRD wird Kindern dieses Recht mit Vollendung des 14. Lebensjahres eingeräumt (RKEG, §5 […]). Ein liberaler, moderater Islam würde sich nun zu aller erst dadurch auszeichnen, sich diesem Recht zu verpflichten.“

Die „hedonistische Mitte“ stößt sich also daran, dass der Islam nicht dem deutschen Recht unterworfen sei, andersrum der deutsche Staat nicht gegen „islamische Communities“ tätig – falls nötig kraft seines Gewaltmonopols: tätlich – werde.

Im zweiten Teil des Textes wird die Forderung nach einem Verbot von Kopftüchern in Schulen expliziert, durchzusetzen durch „eine breite zivilgesellschaftliche Kampagne“. Ihr Programm:

„Die Kampagne fordert von bürgerlichem Staat und Öffentlichkeit nichts anderes als die Verwirklichung der politischen Emanzipation.“

Es geht um „[a] die Befreiung des bürgerlichen Staates von feudalen und religiösen Fesseln und [b] Emanzipation der Untertanen zu Bürgern“ – und zwar genau in der Reihenfolg. Dann – und auch nur dann – behält die „hedonistische Mitte“ Recht, wenn sie sagt, dass es keinen Widerspruch in der Sache darstelle, „wenn der Staat hier als Akteur dieser (also seiner eigenen) und jener Emanzipation auftritt“. Plötzlich geht es also nicht mehr um die Befreiung der Frau aus einer repressiven Religion, sondern das Wohl des eigenen Staates (man erinnere sich an das erwähnte Zitat von Ayaan Hirsi Ali), in dem jedeR Konkurrenzsubjekt zu sein hat – oder dazu gemacht werden muss. Eine Unternehmung, für die sogar noch eine „revolutionäre“ Rechtfertigung gefunden wird:

„Und „die freie Entwicklung eines jeden“, sagen Marx/ Engels, ist ‚die Bedingung für die freie Entwicklung aller.‘“

Es geht also um nicht viel weniger als eine nachholende bürgerliche Revolution für den Islam, eine „Revolution von oben“. Das bietet sich in diesem Falle an: wenn sich der Islam wirklich, wie so oft behauptet, die „deutsche Ideologie“ importiert und einen „Sonderweg“ („offensichtlich perverses Weltbild[es]“) eingeschlagen habe, dann nützen zur Beseitigung seiner Borniertheit freilich nur die Mittel, die man hier aus eigener Erfahrung schätzen und lieben gelernt hat.

Nur ein Problem beklagt man:

„Die herrschende Politik und die bürgerliche Öffentlichkeit der BRD sind hegemonial augenblicklich noch multikulturalistisch und kulturrelativistisch verfasst.“

- Es fehlt die „starke Hand“.


2 Antworten auf „Islam is lame“


  1. Gravatar Icon 1 Nemesis 26. Januar 2006 um 2:15 Uhr

    Apropo starke Hand! Wahrscheinlich wird als Zeichen gelebter Religionskritik auch noch das abfackeln von Moscheen verlangt. Wertmüller hat ja Lust dazu.

  2. Gravatar Icon 2 Administrator 26. Januar 2006 um 7:06 Uhr

    Bislang war doch immer nur vom „bombardieren islamischer Zentren“ die Rede…

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