Nachschlag zur BAHAMAS-Konferenz

„Gegen die antisemitische Internationale“, das war der Titel des Bahamas-Kongresses im Juni 2003. „Antideutsch-kommunistische Konferenz“ nannte sie sich damals noch. Gut zwei Jahre später flog der Anspruch kommunistischer Kritik raus: in der „antideutschen Konferenz 2005″ ging es um „Kritik und Parteilichkeit“ – eine Kritik, die als Nachdichtung des seit mindestens 2003 Bekannten nur um der Begründung dieser Parteilichkeit wegen betrieben wurde, sowie, wie dem Aufruf zu entnehmen war, zwecks Abgrenzung gegenüber dem liberalen Brackwasser, in dem haufenweise antideutsche Schäfchen abtauchen. Letzteres flog dann doch noch von der Agenda. Eine Abgrenzung sei überhaupt nicht nötig, so Sören Pünjer, der sein Publikum nicht vergraulen wollte.

Im Jahre 2003 war es noch das Lob der Aufklärung (um deren Dialektik man, trotz angeblicher Adornofestigkeit, nicht weiß) und insbesondere der USA, das antideutsche Gemüter bewegte: „Die Macht der USA, soviel ist gewiß, verbürgt derzeit die Aufrechterhaltung eines Restmaßes an instrumenteller Vernunft und damit auch die schiere Überlebensmöglichkeit der kommunistischen Kritik.“ Schon für diese Feststellung musste man von allen kommunistischen Gespenstern verlassen worden sein, im Bestreben einer kommunistischen Kritik sich auf einen antikommunistischen Klotz und in Aussicht einer zumindest rudimentären Praxis auf die Parteinahme in der Staatenkonkurrenz zu setzen.

Aus dem lächerlichen Versuch der Instrumentalisierung westlicher Gesellschaft für die eigene Emanzipation – was absurderweise schon wieder an Lenin erinnert (man müsse die imperialistischen Großmächte gegeneinander ausspielen) – wird nunmehr die Mobilisierung herrschaftlicher Gewalt: „liberal organisierte bürgerliche Herrschaft, wie man in den USA und Großbritannien vorfindet, [ist] aktuell das einzig wirkungsmächtige Potential gegen den Faschismus“ (also den Islam). Selbst diese offene Affirmation können die Bahamiten noch als kommunistisches Gut verhökern, denn „im Insistieren auf der Kategorie des individuellen Interesses […] konvergieren Liberalismus und ein recht verstandener Kommunismus.“ Da sind auf antideutscher Seite mutmaßlich seltsame Interessen und Zwecke unterwegs!

Um kritische Solidarität und Waffenbrüderschaft mit dem Liberalismus bemüht kommt man auf den Punk: „Darin unterscheidet sich antideutsche Kritik in kommunistischer Absicht von marxologischen oder adornierenden Unternehmungen“ – denn merke: die marxologische Unternehmung der Bahamas, die „deutsche Ideologie“ in alle Welt hinauszuprojizieren, funktioniert ebenso wenig wie die psychoanalytischen und massenpsychologischen Versuche zum Islam (Vgl. „Wo Multikultis das Land regieren“). Wenn dann hinten nur gewöhnlicher Rassismus rauskommt („Man würde sich wünschen, dass sie sich einfach gegenseitig umbringen“), ist es der wirklich einzige noch verbleibende, äußerst lobenswerte, durchaus fortschrittliche Dienst der Bahamas, Marx und Adorno vor sich selbst in Schutz zu nehmen.


2 Antworten auf „Nachschlag zur BAHAMAS-Konferenz“


  1. Gravatar Icon 1 Kenneth 30. November 2005 um 18:03 Uhr

    Der Witz ist ja, dass diese Vollhonks tatsächlich nicht mal verstanden haben, dass es eine „Dialektik von Individuum und Kollektiv“ in der modernen Gesellschaft gibt, was erstmal nichts weiter heißt als das sich beide gegenseitig bedingen. Damit sollte eigentlich schon klar sein, dass weder am Individuum und seinem Interesse, noch am Kollektiv und seinem abstrakten Interesse irgendetwas zur Emanzipation taugliches ist. Die Bahamas findet wohl nur die Gewichtung die in den USA und GB vorgenommen wird, nämlich das individuelle Interesse ein bisschen ideologisch in den Vordergrund zu spielen, sympathischer als die Variante des konservativen Sozialstaatsnationalismus in Frankreich und Deutschland. Das Individuum gibt es nicht, ohne das ihm das Kollektiv, als Objektivität nach der es sich zu richten hat, gegenübersteht. Die Affirmation steckt schon darin, Individuum gegen Kollektiv, oder eben wie es anders wo en vogue ist, Kollektiv gegen Individuum auspielen zu wollen: beide Begriffe wären in einer freien ‚Gesellschaft‘ inhaltsleer.

  2. Gravatar Icon 2 jorge 28. Februar 2007 um 11:05 Uhr

    Fragt sich, wer hier der „Vollhonk“ ist. Es gibt also eine „Dialektik von Individuum und Kollektiv“ und das heißt „erstmal nichts weiter“ als dass „sich beide gegenseitig bedingen“. Ich würde vorschlagen, du machst dich erstmal schlau, was eigentlich Dialektik ist, bevor du hier losposaunst.
    Achso, deinen postmodernen Antiindividualismus kannst du bei dieser Gelegenheit auch an der nächsten Ecke stehen lassen, wenn´s recht ist. Dann könnte man sich einmal wirklich über die Kritik der herrschenden Zustände und die „freie Gesellschaft“ unterhalten.

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